Peniche in Portugal

Da arbeiten wo andere Urlaub machen

Die Digitalisierung macht es möglich. Nach der Arbeit aufs Surfbrett. Danach einen Mangosmoothie.
Auf Instagram sorgen Fotos mit Laptop am Pool für ordentlich Interaktion.
Doch wie fühlt es sich an?
Alayna gibt uns einen Einblick in ihren Arbeitsalltag in Peniche, Portugal.

Remote arbeiten. Soweit so gut. Für viele bedeutet Remote-Work, sich ganz klassisch in den eigenen vier Wänden einen Fernarbeitsplatz einzurichten. Aber warum nicht mal das Home-Office verlassen und Deutschland zumindest für eine Weile den Rücken kehren? Sicherlich eine Entscheidung mit einigen Vor -und Nachteilen, oder?
Besonders spannend wird es jedoch, wenn man sich für eine Gegend entscheidet, für die man unter anderen Umständen einen Urlaubsantrag einreichen würde. Sprich: Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen.
Ob in einer eingeschneiten Hütte in Lappland, den Dolomiten in Italien oder aus dem Camper in Südfrankreich. Die Möglichkeiten sind schier unendlich.
In diesem Interview leuchten wir in UX-Designerin Alayna's Alltag in Portugal.

Zum Interview

UX Designerin Alayna vor der Küste Portugals

Hi Alayna. Erste Frage: Wie ist das Wetter?
Von der Sahara bedeckt 🌝🏜 … Bin vom Besuch im sonnigen Köln wieder zurück im betrübten Portugal angekommen. Irgendwas läuft hier schief.

Wo bist du gerade?
An der Westküste Portugals: Baleal. Liegt neben "Peniche".

Als was arbeitest du?
Wenn ich nicht gerade Gifs zum Antworten raussuche, verbringe ich meine Zeit als UX + UI Designerin. Das bedeutet, ich gestalte und entwerfe Nutzeroberflächen von digitalen Anwendungen, sowohl die Nutzerführung, als auch die grafischen Komponenten.

Du arbeitest 100% remote. Wie lief der Prozess innerhalb des Unternehmens ab? Gab es viel zu regeln?

Überhaupt nicht! Ich hatte sogar vergessen, dass die eigentliche Stelle, für ich die ich mich beworben hatte von Anfang an remote war. So habe ich also einfach mit meinen Teams gesprochen und mir das Go eingeholt und den No Sorgas Bescheid gegeben, dass ich mein Hardware dann mitnehmen würde.
That's all.
Ich bin allerdings auch in Deutschland weiterhin gemeldet, das wäre sonst nochmal ein ganz anderes Thema, im Hinblick auf den Arbeitsvertrag.
(Aber privat gibts da dann einiges zu regeln, frag nicht nach Sonnenschein...)

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Da ich in vormöbilierten Apartments wohne als Digitale Nomadin muss ich mehr oder weniger nehmen was ich kriege. Das kann dann eben wie hier auch mal die 8€ IKEA Stühle bedeuten.

Aber der Arbeitsplatz kann genau so gut so aussehen, wie man es von Instagram kennt. Das ist ziemlich unbezahlbar

Welche Systeme/Technik nutzt du momentan?

Zum Designen nutze ich inzwischen ausschließlich Figma, zum Entwürfe vorzeigen dann in der Regel Zeplin. Wenn mal ein Logo gestaltet werden darf, dann kann Adobe Illustrator auch mal ins Spiel kommen, aber wir wollen ja hier nicht ganz abheben!

Ergonomischer Arbeitsplatz oder Füße Hoch und Rückenschmerzen?

Oh, ich wünschte es wäre ersteres, musste aber heute ordentlich von einer Masseurin gefoltert werden, nach dem ich seit dem ich nur noch im Home Office bin und wie eine verwelkende Pflanze an meinen absolut unergonomischen Arbeitsplätzen der letzten Jahre sitze! Nächste Anschaffung: Sitzball. Kann immerhin easy von Ort zu Ort mit hingenommen werden. Und darauf mit verschränkten Beinen balancieren?

Klingt ja schon nach Pinterest. Wo ist dein Mango Smoothie?

Más o menos.
Im Café die Straße runter 🍹 Dicke Empfehlung!

Spaß beiseite. Wie fühlst du dich so als digitale Nomadin?

Meistens richtig gut! Ich würde keine Entscheidung rückgängig machen wollen und bin so froh diese Möglichkeit durch Ambient (und eventuell ein wenig Conora 🤫) zu haben, meine Bucket-List abzuarbeiten und einige Risiken einzugehen und zu gleich eine Sicherheit im Rücken mit diesem Job zu habe. Ein weiterer Bonus: Die coolsten KollegInnen der Galaxie! (Noch nie so viele Gif Skills an einem Ort erlebt – if you're not in, you're missing out!).

Mit Meeresrauschen, Sonnenstrahlen und vor allem eine viel positivere Gesamtstimmung im Süden lebt und arbeitet es sich schon viel angenehmer! Aber das Büro in der Nähe zu haben fehlt schon manchmal ziemlich, keine Frage.

Was läuft gut? Gibt es Herausforderungen?

In der Regel läuft es gut überall eine Internetverbindung zu kriegen. Und keinerlei Teamzusammenhalt schien unter den verschiedenen Entfernungen gelitten zu haben. Durch die letzten 2 Jahre des vielen Home Offices haben die meisten in digitalen Berufen ja auch sich an remote Meetings gewöhnt, das hilft natürlich ungemein. Auch wenn das ent-muten nach wie vor schon umständlich sein kann.

Herausforderung - ganz ehrlich...? Die Motivation und der Ehrgeiz werden schon gut auf die Probe gestellt, wenn man regelmäßig die Surfer im Wasser sieht und aber noch Meetings und Deadlines hat. Wenn der Kalender an einem Tag Flexibilität zulässt, dann nehme ich es auch mal in Kauf, aber das macht es nicht unbedingt immer leichter. Man muss schon eine große Portion Selbstmanagement extra draufschlagen als Digitaler Nomade.

Die Küste von Peniche

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag bei dir aus?

Aufstehen, Kaffee machen, von Pyjama in die andere gemütliche Kleidung schlüpfen (Skinny Jeans sind so v. Cor. - vor Corona), twork twork twork, am Strand ne Runde spazieren zum Feierabend. Würde gern behaupten, dass ich vor der Arbeit noch dem Sonnenaufgang entgegen jogge am Strand und mich dann im Meer erfrischen gehe, aber wen will ich hier denn verar***en. Viel zu früh, viel zu anstregend.

„Arbeiten wo andere Urlaub machen“ klingt erstmal sehr nice! Wie würdest du das bezeichnen was du machst?

Hmm. Ich habe lediglich mein Wohnort gewechselt, an einen Ort, der mich so viel mehr erfüllt und mich bei mir ankommen lässt. Ich sehe es nicht als Ort "wo andere Urlaub machen", sondern als Ort an dem es sich sehr geil mit einem Remote Job leben lässt

Wie kam es zu der Entscheidung, Deutschland auf unbestimmte Zeit zu verlassen?

It all comes down to: weil ich es gerade jetzt kann und die Chance nicht an vorbei ziehen lassen will und mich irgendwann fragen will "Was wäre wenn...?".
Einfach machen. Es gibt für alles ne Lösung und man-oh-man, was ein solches Abenteuer einem gibt, das kann dir keiner einreden, das musst du selbst erleben.

Was ist für dich der größte Benefit?

Auf nichts verzichten zu müssen.
Habe einen spannenden Job, mit tollen KollegInnen, einem sicheren Einkommen und welchen Strand ich auch will vor der Tür.

Gibt es einen Fahrplan für die nächsten 1-2 Jahre?

Just go with the flooooow. Ich plane, nichts zu planen.

Was machst du nach Feierabend heute?

Meinen kürzlich gekauften Bulli zum Innenausstatter zu bringen - hihihi!
Das Hippie-Leben kann kommen!

Liebe Alayna, herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen die noch einen sonnigen Tag. Bis gleich im Meeting;-)