10 Ideen für noch bessere agile Retrospektiven

Dass und warum die Retrospektive das wichtigste Scrum-Event ist, haben wir in einem anderen Blogartikel schon beleuchtet. Heute geht es um das Wie. Wir zeigen Ihnen 10 originelle Retro-Formate, die Sie sofort umsetzen können. So werden Ihre Retrospektiven garantiert abwechslungsreicher, interessanter und bestimmt auch erfolgreicher. Los geht’s!

1 Eine unverwechselbare Eigenschaft

Diese Übung bietet sich für den Start einer Retrospektive an, vor allem, wenn Teammitglieder sich noch nicht so gut kennen.

Was brauchen wir für dieses Format?

Im Grunde nichts außer Teammitglieder.

Wie funktioniert das Format?

Jede Person im Meeting überlegt sich eine Eigenschaft, die sie ausmacht. Fragen zur Anregung könnten sein:

  • Wen würdest du gerne mal treffen und warum?
  • Wenn du ein Tier wärst, welches wäre das?
  • Welches ist dein Lieblingsreiseziel und aus welchen Gründen?

Was bringt`s?

Jede*r gibt dabei etwas Persönliches preis. So entsteht eine Atmosphäre der Vertrautheit, die die folgende Diskussion für alle Beteiligten erleichtern kann.

2. Lego-Serious-Play-Retrospektive

„Lego Serious Play“ ist eine Methode, die ganz auf den Spieltrieb von uns Menschen setzt – und großartige Ergebnisse hervorbringt. Dafür brauchen Sie nur einen großen Tisch und genügend Legosteine, mit denen gebaut werden darf. Was normalerweise verbal kommuniziert, das heißt ausgesprochen wird, kann so in ein greifbares Bild transferiert werden.

Was brauchen wir für dieses Format?

Einen großen Tisch oder eine andere geeignete Baufläche, genügend Legosteine für das Team.

Wie funktioniert das Format?

Jedes Teammitglied wird dazu eingeladen, bestimmte Situationen, Gefühle und Antworten auf spezifische Fragen mit Hilfe von Lego darzustellen.

Solche Fragen sind zum Beispiel:

  • Wie stelle ich mir das perfekte Team vor?
  • Wie habe ich den letzten Sprint empfunden?

Wichtig bei dieser Übung ist, dass der/die Moderierende konkrete Handlungsanweisungen gibt, damit das Bauen zielgerichtet bleibt. Jede Person im Meeting baut ihre Antworten zunächst für sich selbst. Nach 5 Minuten Bauzeit werden die Ergebnisse von den Bauherr*innen präsentiert. Anschließend setzt sich das ganze Team zusammen, um an einer gemeinsamen Version zu denselben Fragen zu bauen.

Was bringt’s?

Die Methode baut auf Elementen aus Managementtheorie, Lern- und Entwicklungspsychologie und Storytelling auf. Sie spricht also all diese drei Bereiche an und fördert diese: das Organisieren, die persönliche Weiterentwicklung und die Kreativität. Zunächst hilft uns das Bauen, unsere eigenen individuellen Vorstellungen, Wünsche und Ziele zu verstehen. Beim Präsentieren haben wir dann die Möglichkeit, den anderen diese Vision näherzubringen. Mit Hilfe von Lego passiert dies visuell – und damit oft unmittelbarer als durch reines Erklären. Eine gemeinsame Vision zu entwickeln, ist dann sehr viel einfacher. Außerdem macht Lego einfach Spaß – und Spaß schweißt Teams zusammen!

3. Brainstorming strukturieren

Brainstorming ist das Tool der ersten Wahl, wenn es um Ideensammeln in der Gruppe geht. Mit dieser Übung wird das Ganze strukturierter – und kann schneller in Handlungen umgesetzt werden.

Was brauchen wir für dieses Format?

Whiteboard oder Flipchart, Stifte, ggf. Papier.

Wie funktioniert das Format?

Jede*r Teilnehmer*in bekommt 5 – 10 Minuten, um zu einem Thema oder einer Fragestellung Ideen aufzuschreiben. Diese werden dann von de*r Moderator*in am Flipchart oder Whiteboard gesammelt. Nun geht es darum, die Ideen auszusortieren. Dafür werden gemeinsam vier Kriterien festgelegt. Das können zum Beispiel folgende sein: Kosten, Originalität, Praktikabilität usw. Wurden diese Kriterien definiert, werden sie nacheinander auf jeden Vorschlag angewandt. Dabei wird schnell deutlich, welche Ideen den Anforderungen genügen und welche nicht. Je mehr Kriterien eine Idee erfüllt, umso eher sollte sie umgesetzt werden.

Was brauchen wir für dieses Format?

An Kreativität mangelt es den wenigsten Teams – an Struktur jedoch vielen. Diese Übung schafft einen wunderbaren Rahmen dafür, Ideen wertschätzend zu überprüfen und ggf. weiterzuverfolgen. Durch die vorher definierten Kriterien passiert das objektiv und demokratisch. So wird die Streitgefahr minimiert, weil sich vorher alle auf einen verbindlichen Rahmen geeinigt haben. Das macht das einvernehmliche Auswählen und Aussortieren viel einfacher.

Zusammenarbeit

4. Posterreferate

Bei großen Gruppen und viel Diskussionsstoff aus der letzten Iteration empfiehlt es sich, die Gruppe nach Themen aufzuteilen. Posterreferate bieten dafür eine super Gelegenheit.

Was brauchen wir für dieses Format?

Flipchart, Stifte, Papier.

Wie funktioniert das Format?

Teilen Sie Ihr Team in kleine Gruppen à 2 – 5 Leuten ein. Identifizieren Sie in der großen Gruppe Hauptthemen, über die diskutiert werden muss. Jedes kleine Team bekommt nun ein Thema oder eine Frage, mit der es sich näher befasst. Dafür bekommt es 15 Minuten, in denen es auf einem Flipchart-Poster seine Gedanken rund um die Fragestellung darstellt. Zeichnen oder schreiben – beides passt. Fragen rund um das Hauptthema könnten zum Beispiel sein:

  • Was genau ist/war das Problem?
  • Wie kam es dazu?
  • Worin liegen etwaige Vorteile der aktuellen Situation und worin Nachteile? Für wen überhaupt?
  • Wie können wir diese Dinge verbessern?

Anschließend stellt jede Gruppe den anderen ihr Poster in Form eines Referats vor. 2 – 3 Minuten sollten dabei ausreichen.

Was bringt’s?

Durch dieses Format werden auch riesig scheinende Problemberge greifbar und sind leichter zu bearbeiten, weil sich jedes Team nur einen Aspekt herauspickt. Dadurch werden die einzelnen Grüppchen zu Expert*innen für einen Teilbereich, den sie den anderen präsentieren können. Bei großen Themen kann diese Herangehensweise fruchtbarer sein, als wenn sich alle gleichzeitig auf ein Thema stürzen. Die Teilaspekte eines Problems werden so deutlich – und das große Problem ist für alle besser zu begreifen. „Schritt für Schritt“ lautet die Devise.

5. Speed-Dating

Beim Speed-Dating gehen zwei Teilnehmer*innen Dingen gemeinsam auf den Grund. Das funktioniert ganz ähnlich wie bei der „echten“ Live-Dating-Variante.

Was brauchen wir für dieses Format?

Mehrere Stühle und Tische, Stifte, Papier.

Wie funktioniert das Format?

Zunächst schreibt jede*r Meeting-Teilnehmer*in für sich ein Thema auf, über das er oder sie sprechen möchte. Das können Probleme aus dem letzten Sprint, eine Idee für den nächsten Sprint oder ein allgemeines Thema der Zusammenarbeit sein. Dann setzen sich jeweils Zweier-Teams zusammen und besprechen diese Ideen. Jede*r hat 5 Minuten Redezeit, d. h. nach 10 Minuten wechseln die Teams und zwei andere Menschen setzen sich zusammen. So hat jedes Teammitglied sein oder ihr Thema mit jedem anderen Mitglied durchgesprochen.

Was bringt’s?

In der Arbeitswelt ist es wie in der Schule: Außerhalb von Projekten sind es meist dieselben Leute, die sich austauschen und über Probleme sprechen. Die Retrospektive mit der Speed-Dating-Übung bricht diese Gewohnheit auf und sorgt für eine stärkere Kommunikation zwischen Teammitgliedern, die sich sonst wenig zu sagen haben. Außerdem schafft dieses Format völlig neue Perspektiven auf ein und dasselbe Thema, weil sich eben so viele Konstellationen zur Diskussion ergeben. Darüber hinaus haben es introvertierte Teammitglieder, die kaum in der großen Gruppe sprechen, leichter im intimen Zweiergespräch ihre Meinung zu sagen.

6. Well, not-so-well, new ideas

Diese Übung ist ein Klassiker in der Retrospektive. Dabei geht es darum, Gesprächsthemen nach Bereichen zu ordnen und so die Reflexion darüber zu erleichtern.

Was brauchen wir für dieses Format?

Whiteboard oder Flipchart, Stifte, ggf. Papier.

Wie funktioniert dieses Format?

Teilen Sie das Whiteboard in drei Bereiche auf: well, not-so-well, new ideas. Das heißt: Was ist gut gelaufen? Was ist nicht so gut gelaufen? Und welche neuen Ideen haben wir gewonnen? Fragen Sie nun jedes Teammitglied nach seinen Beiträgen zu jedem der Bereiche. Diese werden an die entsprechenden Stellen geschrieben und diskutiert.

Was bringt’s?

Der Spielfaktor ist in diesem Format zwar nicht allzu groß. Dafür ist diese Übung einfach, schnell und sehr effizient umzusetzen. Um ruckzuck Themen zu strukturieren, ist sie daher eins der besten Tools für die Retrospektive.

7. Heißluft-Ballon

Mit dieser Übung können Sie im Team blitzschnell die Faktoren identifizieren, die die Arbeit beschleunigen und verlangsamen.

Was brauchen wir für dieses Format?

Whiteboard oder Flipchart, Stifte, ggf. Papier.

Wie funktioniert das Format?

Anfangs wird ein Heißluft-Ballon an das Whiteboard oder Flipchart gemalt. Anschließend wird das Team aufgefordert, all die Faktoren auf Sticky Notes zu schreiben, die seine Arbeit einerseits schneller und andererseits langsamer machen. Sind alle fertig, werden die Sticky Notes an die entsprechenden Stellen des Ballons geklebt – die Beschleuniger nach oben, wo die heiße Luft dampft, die Verlangsamer nach unten, wo die Sandsäcke baumeln. Anschließend kann der Heißluft-Ballon diskutiert werden.

Was bringt’s?

Natürlich könnten Sie die Verlangsamer und Beschleuniger auch einfach so am Whiteboard sammeln. Die Heißluft-Ballon-Methode bietet aber eine ansprechende visuelle Alternative. Auch wird durch den Ballon sofort deutlich, was überwiegt: die beschleunigenden oder bremsenden Faktoren. Das wiederum hilft, Probleme im Projektprozess schneller zu erkennen und zu lösen.

8. Big-Hitter-Momente

Die Big-Hitter-Momente-Übung schafft Empathie und sorgt für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den einzelnen Teammitgliedern. Sie bildet deshalb einen guten Einstieg in die Retrospektive.

Was brauche ich für dieses Format?

Einen Raum zum Kreisformen, Stifte, Papier.

Wie funktioniert das Format?

Jede*r Teilnehmer*in schreibt für jedes Teammitglied einen „Big Hitter Moment“ aus dem letzten Sprint auf. Damit sind Momente gemeint, in denen eine Person aktiv etwas eingebracht hat – eine Idee, eine Lösung, einen Schritt zur Problemlösung. Trotz des Namens müssen diese Momente keine großartigen Ereignisse sein. Es geht lediglich darum, für jedes Teammitglied einen wertschätzenden Moment herauszupicken. Anschließend schreibt jede*r seinen eigenen „Big Hitter Moment“ auf. Danach setzt oder stellt sich die ganze Gruppe in einen Kreis. Reihum wird jedes Teammitglied zum „Big Hitter“ und stellt sich dafür in die Kreismitte. Der Reihe nach verraten nun alle, welchen Moment sie für den „Big Hitter“ aufgeschrieben haben. Gibt es ein „Match“ zwischen zwei Aussagen, wird gewechselt und ein anderer Big Hitter kommt in die Mitte.

Was bringt’s?

Mit dieser Übung soll der Wohlfühlfaktor bei allen Teammitgliedern gesteigert werden. Es geht um Wertschätzung, von unserer eigenen Arbeit und der anderer. Dieses Format hilft auch, uns nach mäßig erfolgreichen Sprints unsere Errungenschaften vor Augen zu halten, und verpasst so allen einen Motivationsboost. Interessant sind außerdem die verschiedenen Sichtweisen auf Big Hitter Moments. Wir können mit dieser Übung lernen, uns aus den Augen anderer zu betrachten. Das wiederum kann unsere Selbstreflexion verbessern.

9. Start-stop-continue-Retrospektive

Dieses Retrospektive-Format gibt es in verschiedenen Abwandlungen. Die einfachste ist vermutlich diese.

Was brauchen wir für dieses Format?

Whiteboard oder Flipchart, Stifte, ggf. Papier.

Wie funktioniert das Format?

Malen Sie eine dreigliedrige Tabelle an Whiteboard oder Flipchart mit den Bereichen „start“, „stop“ und „continue“. Nun überlegen Sie gemeinsam im Team, was für welchen Bereich festgehalten werden sollte. In die Spalte „start“ gehören die Dinge, mit denen das Team beginnen sollte, um erfolgreicher zu arbeiten. In „stop“ werden alle negativen Dinge gesammelt, die im Sprint vorkamen, aber mit denen das Team aufhören sollte. Und in „continue“ werden Dinge gesammelt, die bereits gut laufen und unbedingt fortgeführt werden sollten.

Was bringt’s?

Mit dieser Übung finden Sie einen Supereinstieg ins Informationensammeln vor der eigentlichen Diskussion in der Retrospektive. Sie führt uns sowohl unsere Stärken als auch Schwächen vor Augen und regt zu neuen Ideen und Verbesserungsvorschlägen an.

10. Danke-Checkout

Wer hört nicht gerne das kleine Wort „danke“? Mit dieser Übung können Sie die Retrospektive gut gelaunt abrunden und allen Teammitgliedern ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Was brauchen wir für dieses Format?

Stifte, Papier.

Wie funktioniert das Format?

Jede*r Meeting-Teilnehmer*in schreibt für seine*n linke*n Sitznachbar*in eine kleine Dankesbotschaft auf einen Zettel. Nach der Retrospektive werden die Zettel ausgetauscht. Die Botschaften müssen keine weltbewegenden Handlungen beinhalten. „Danke für den Kaffee.“, ist auch in Ordnung.

Was bringt’s?

Retrospektiven können hitzig und anstrengend sein. Logisch, denn in diesen Meetings hinterfragen wir uns und unsere Arbeit kritisch, müssen neue Ziele setzen und Meinungsverschiedenheiten ausdiskutieren. Ein kleines Dankeschön danach heitert die Stimmung auf, bringt das Team enger zusammen und motiviert für die nächsten Steps.

" Die Kunst einer guten Retrospektive liegt darin, beides zu vereinen: den Spiel- und Spaßfaktor für alle Teilnehmer*innen – und das Ziel, nämlich eine Verbesserung für den nächsten Sprint. "

Retrospektive – Struktur meets Spiel

Egal, für welche Übungen Sie sich entscheiden – eine feste Struktur hilft Ihnen, eine erfolgreiche Retrospektive durchzuführen. Dabei geht es natürlich nicht darum, an starren Mustern festzuhalten, denn im Scrum kommen die Menschen immerhin grundsätzlich zuerst. Ein wohlgesetzter Rahmen hilft jedoch, die Sprint-Reviews konstruktiv und effizient zu halten.

Achten Sie deshalb auf die fünf Phasen des Meetings:

  1. Einführung: Hier stimmt der/die Moderator*in, meist der Scrum Master, das Team auf das kommende Meeting ein.
  2. Informationssammlung: Hier werden alle Informationen aus dem letzten Sprint gesammelt, die danach diskutiert werden können.
  3. Erkenntnisgewinnung: Hier wird diskutiert und analysiert, um anschließend Verbesserungen einzuleiten.
  4. Maßnahmenbeschluss: Maßnahmen für Verbesserungen werden verbindlich festgehalten.
  5. Ausklang: Das Meeting wird wertschätzend abgerundet, damit alle in möglichst positiven Vibes an die Arbeit gehen können.

In unseren 10 Ideen für agile Retrospektiven finden Sie für jede der oben genannten Phasen eine oder sogar mehrere passende Übungen. Die Kunst einer guten Retrospektive liegt darin, beides zu vereinen: den Spiel- und Spaßfaktor für alle Teilnehmer*innen – und das Ziel, nämlich eine Verbesserung für den nächsten Sprint.

Letztlich ist es an Ihnen und Ihrem Team, zu entscheiden, welche Art von Retrospektive mit welchen Formaten Ihnen dabei am besten weiterhelfen. Wir hoffen, wir konnten Sie zu neuen Ideen inspirieren!

In einem anderen Artikel sagen wir Ihnen, warum die Retrospektiven das wichtigste Scrum-Event für uns sind?

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